Luise Rist

 

Thema 

Fremd sein? Ob mich das Thema schon immer anzieht? Als ich ein Kind war, suchte ich gerne nach den sogenannten Fremden, die von außerhalb kamen und kein Deutsch sprachen. Ich sprach selbst nicht viel in dieser Zeit. Sie begegneten mir am Bahndamm meines Ortes, auf dem Gelände eines verlassenen Schrottplatzes, der im Winter als Quartier für einen Wanderzirkus genutzt wurde. Jeden Nachmittag verbrachte ich bei ihnen. Es war ein bisschen rauh dort und sehr frei, wild, aber nicht romantisch. Seit einigen Jahren schreibe und inszeniere ich Theaterstücke, mein Fokus liegt auf den Rändern der Gesellschaft.

Mit boat people projekt haben wir Menschen kennenlernen dürfen, die hierher geflüchtet sind, und gemeinsam mit ihnen gestalten wir Erfahrungs-Räume, suchen nach gemeinsamen Sprachen.


Tätigkeitsfelder

Da ich schon viele Jahre Theater mache, war ich sowohl Dramaturgin (am DT Göttingen – durch diese Tätigkeit bin ich nach Göttingen gekommen, von 1999 bis 2007) als auch Autorin (ebenfalls zuerst am DT, seit Gründung von bpp fürs eigene Label, manche Stücke entstanden auch im Auftrag für andere Theater oder wurden dort nachgespielt (am Prominentesten zu nennen dasThalia Theater Hamburg) und auch Regisseurin (hauptsächlich bei boat people projekt, und zuvor schon mal am DT und seither auch mal im Auftrag des Paul Klee Zentrums Bern bei der Uraufführung von SPLITTER). Besonders geprägt hat mich künstlerisch auch die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen (myworx) und die Produktionen mit dem jungen boat people projekt (Jugendgruppe des Projekts) sowie mit der MAHALA INTERNATIONAL am Pfalzbau Ludwigshafen.

In den letzten Jahren, seit Gründung des boat people projekts, gemeinsam mit Nina de la Chevallerie im Jahr 2009, habe ich fast alle meine Stücke für unsere Teams geschrieben. KEINSTERNHOTEL, LAMPEDUSA, MIKILI - GEHEN ODER BLEIBEN, MAHALA DREAMS, BREAD AND ROSES, ALL INCLUSIVE...und viele mehr. 

Mein Debütroman heißt ROSENWINKEL. Die Hauptfigur ist das Mädchen Anita, das in Deutschland aufgewachsen ist und von einem Tag auf den anderen nach Bosnien, in die Heimat der Eltern, abgeschoben wird. Ihre Freundin Frida macht sich auf der Suche nach der Verschwundenen. ROSENWINKEL ist ein Roadtrip durch den Balkan und eine Geschichte über Familie und Freundschaft. Die Geschichte ist erfunden, aber Anita gibt es wirklich, und die Abschiebung hat so ähnlich auch stattgefunden. Durch den Kontakt zu Anitas Familie, die immer noch kein Bleiberecht bekommen hat, ist auch in meinem zweiten Roman MORGENLAND ein Strang zu den Roma vorhanden. Er zieht sich durch die Geschichte, die diesmal an der serbisch-ungarischen Grenze spielt und von Ali, einem jungen Afghanen erzählt, der mit einer jungen Deutschen über die fest verschlossene Grenze flüchtet. Love-Story! 

Beide Bücher sind bei cbt Randomhouse erschienen. 

 

Aktuell

 

Zuletzt war vom JUNGEN BOAT PEOPLE PROJEKT die Produktion EISWIESE - GIRL MEETS BOY zu sehen, und mit Hans Kaul und der BOAT PEOPLE PROJEKT BAND entstand ON AIR, unser erstes Musical, bei dem SchauspielerInnen und Musiker (in der Band waren nur Männer:-) aus Syrien, Kurdistan, Afghanistan, dem Iran und aus Deutschland in einer absurden Radio Show aufgetreten sind. Gerade haben wir im Alten Rathaus in Göttingen die ON AIR IN CONCERT-Version hören lassen, die gerne buchbar ist! Wunderschöne Musik von tollen Leuten gespielt und gesungen.

Jetzt arbeite ich am neuen Stück für meine seit 2014 in wechselnden Besetzungen bestehenden Jugendtheatergruppe MAHALA INTERNATIONAL an den Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen. Es ist eine Auseinandersetzung mit Aischylos: DIE PERSER, heißt JAZEERA - DIE INSEL und hat Premiere am 18. Oktober.

Ich lese dort auch aus meinem neuen Buch MORGENLAND. Weitere Lesungen finden in diesem Monat an Schulen in Rheinland Pfalz statt.

Zurzeit bereite ich mit dem Théâtr'action aus Bordeaux eine Kooperation mit boat people projekt vor. Ein deutsch-französisches Theaterstück wird entstehen (Premiere Januar 2020 in Bordeaux und Göttingen).

AKtuell schreibe ich am Plot für mein drittes Buch, das im deutsch-französischen Grenzgebiet sowie in Indien spielen wird. 

 

 

 

 Was mir zur Zeit wichtig ist

Ich habe die Möglichkeit, im November dieses Jahres eine mehrwöchige Schreibresidenz in Jaisalmer, Indien, durchzuführen, im Rahmen des ASEF-Stipendiums MOBILITY FIRST. Am Rande der Wüste Thar kann ich mit meinem dritten Roman beginnen. 

Ich hoffe auf weitere Lesungen mit MORGENLAND und gerne auch noch mit ROSENWINKEL, vor Menschen jeden Alters.