Zu: Lampedusa
Göttinger Tageblatt, 23. September 2009
„...Die Umgebung verschwindet schnell hinter den Scheiben, fährt der Bus doch in Gebiete, die die meisten Bürger nicht häufig betreten. Lastwagen tauchen auf, Container werfen ihre dunklen Schatten, Schienenstränge führen ins Nirgendwo. Klopfende Klänge erinnern an klaustrophobische Räume. Schwer schiebt sich das elektrische Rolltor des Güterverkehrszentrums auf, das Meer ist auf die blechernen Wände der Hallen projiziert…Mehrere Farbige sind im Bus, eine Frau wird unruhig, sie geht im Gang umher, spricht: „My passport, my documents, they want to know who I am.“Rist und de la Chevallerie haben sich mit Biografien von Menschen mit dunkler Hautfarbe auseinandergesetzt, mit Geflohenen, mit denen von langjährigen Göttingern wie auch denen von erst seit kurzem hier lebenden oder gar auf das Auffanglager in Neu-Eichstätt festgelegten Menschen, die ihren Landkreis nicht verlassen dürfen, zum Teil noch nicht einmal, um an diesem Projekt teilzunehmen. Hinter den dunklen Lagerhallen am Hagenweg geht es um die vielen afrikanischen Länder, die Attribute, die ihnen zugeschrieben werden, das Salz, das sich in die Haut eingebrannt hat, die Farbe dieser Haut, die sich in jedem Blick eines Fremden spiegelt…
Ein gewaltiges Projekt, eine bewegende Busfahrt im Dunkel einer Stadt, die man schnell vergessen hat. Man ist mit den Menschen mal auf einer Reise, mal auf der Flucht. Luise Rist hat im Text genügend Freiraum für eigenen Gedanken und Gefühle gelassen. Am Ende, nach dem Aussteigen, hat sich die Sensibilität vielleicht, im besten Falle, ein Stück weit verändert, vermehrt, verbreitert.“
Zu: Drei Farben. Licht.
Göttinger Tageblatt, 24. November 2009
„...Julia Hansen spielt eine Frau zwischen zwei Welten. Die DT-Schauspielerin und Musikerin bewegt mit ihrem samtigen Gesang und überrascht mit afrikanischem Dialekt. Bühnenneuling Raj Deliny Shaban spielt den Flüchtling verstörend reduziert. „Hinter seinen Augen geht es ein paar tausend Meter in die Tiefe – deine Welt ist ein Geheimnis“, sagt der Afrikaner über ihn und lässt ganz nebenbei einen Blick in sein eigenes Innerstes zu. Es geht nicht nur um das gesprochene Wort, das Verstehen, sondern auch um das Nicht-Verstehen. Rist arbeitet in ihrem speziell für diesen Abend geschriebenen Stück mit Andeutungen, Gedankenfragmenten und rudimentären Sätzen. Viel Atmosphäre vermitteln Gesten, Blicke, ein gemeinsames Abendmahl und die Musik von Jürgen Ufer. So bleibt Raum für eigene Bilder, die sich über Jahre im Kopf eingebrannt haben, von Menschen, die den Tod in Kauf nehmen für eine Zukunft in Europa.
Das einfache und effektvolle Bühnenbild bildet den perfekten Rahmen für die Szenerie: Aufgeblasene Wasserkanister wirken wie kubische Lichtobjekte und sind gleichzeitig Sitzflächen – wackelig und unsicher wie ein kleines Boot auf dem offenen Ozean. Ein begeistertes Publikum feiert die Vorstellung im Schiff der Nikolausberger Klosterkirche, die an diesem Abend Kulisse für beides war: Licht und Finsternis. „
Zu: Wenn du tanzen willst...
Göttinger Tageblatt, 7. November 2009
„... Schauspielerin Imme Beccard – im Dialog mit Peter Grünenfelder – spielt Franzi in all ihrer Bitterkeit sehr einfühlsam. Die sphärischen Klänge der Musik von Hans Kaul und die Videountermalung einer vorbeirauschenden Dorfidylle von Reimar de la Chevallerie stehen im Kontrast zum Bühnenbild mit zünftigem Couchtisch, Troddellampenschirm und Orientteppich. Die Zuschauer sind sehr dicht dran am Geschehen. Die Stuhlreihen grenzen von drei Seiten direkt an die Bühne, auf der bei dieser Aufführung niemand tanzt, auch nicht allein. Am Ende gibt es Applaus für einen ganz besonderen Abend.„
Presse

- Göttinger Tageblatt 23.09.2009

- Göttinger Tageblatt 24.10.2009

